Hannover (epd). Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen sehen in der Einführung des Reformationstages als neuen gesetzlichen Feiertag im Land eine historische Entscheidung. „Mit dem Reformationstag bekommt Niedersachsen einen Feiertag, der in seiner Gestaltung herausfordernd ist und große Chancen bietet, aber auch unbequem sein kann“, sagte der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Bischof Ralf Meister, am Dienstag in Hannover. Der Landtag hatte zuvor nach kontroversen Diskussionen mit einer Mehrheit von 100 von insgesamt 137 Stimmen beschlossen, den Reformationstag am 31. Oktober als neuen Feiertag einzuführen.
Der schaumburg-lippische Landesbischof und Catholica-Beauftragte Karl-Hinrich Manzke sagte, er sei erleichtert, dass es ein klares Votum für den Reformationstag gegeben habe. In der Entscheidung sei auch ein Vertrauen zur evangelischen Kirche erkennbar, „dass viele in der politischen Öffentlichkeit uns zutrauen, diesen Tag auch so zu gestalten, dass er nicht konfessionell verengt ist“.
Der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns sagte, er sehe in dem Votum eine Verpflichtung, den Tag zu gestalten. Die evangelische Kirche habe sich vor dem 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 über ein Jahrzehnt sehr intensiv mit ihrer Tradition, den Impulsen für Kirche und Gesellschaft und auch erstmals mit den Schattenseiten der Reformation auseinandergesetzt. Nun gelte es, Formate zu finden, die dieses spiegelten.
Der reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher betonte, er freue sich für alle Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen, die freihaben. Das passe wunderbar zur Grundbotschaft der Reformation: „Das Entscheidende wird umsonst geschenkt.“ Der Vertreter im Oldenburger Bischofsamt, Oberkirchenrat Thomas Adomeit, begrüßte ebenfalls die Entscheidung. „Ich bin davon überzeugt, dass dieser Feiertag in unserer Gesellschaft mehrheitsfähig ist.“
Meister versicherte, mehr als 2.000 evangelische Kirchengemeinden in Niedersachsen seien ein Garant dafür, dass der Feiertag breit im Land verankert werde. „Wir wollen in Veranstaltungen und Gottesdiensten in ganz Niedersachsen über unser gesellschaftliches Miteinander ins Gespräch kommen“, sagte er. Er sei zuversichtlich, dass es gelingen werde, den Tag als einen Tag für alle Bürgerinnen und Bürger zu feiern.
In Niedersachsen sind bereits neben zahlreichen Gottesdiensten am 31. Oktober auch weitere Veranstaltungen geplant. Bei einem Empfang der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen werde der Rechtsphilosoph Horst Dreier einen Vortrag halten. In Braunschweig wolle man den Reformator Johannes Bugenhagen (1485-1558) würdigen und die soziale Arbeit in den Mittelpunkt stellen, beispielsweise durch eine Ausstellung und mit einer Tour zu sozialen Brennpunkten. In Helmstedt werde ein sogenanntes Reformationsparament vorgestellt, dass von einem berühmten Künstler gemeinsam mit der Paramentenwerkstatt erstellt wurde. Im Schaumburger Land werde es am Vorabend des Reformationstags eine gemeinsame Veranstaltung mit der türkischen Community und der jüdischen Gemeinde geben, bei der das zivilgesellschaftliche Engagement thematisiert werde.
Mit Blick auf den Streit über den neuen Feiertag in den vergangenen Monaten sagte der Bischof, er hoffe, dass sich alle politischen und gesellschaftlichen Akteure wieder aufeinander zu bewegten. Der Reformationstag könne auch als Diskussionsforum genutzt werden. Die jüdischen Gemeinden und die katholische Kirche hatten sich mit Verweis auf die Judenfeindlichkeit des Reformators Martin Luther (1483-1546) und die Kirchenspaltung vor rund 500 Jahren gegen diesen Tag als Feiertag ausgesprochen.
epd lnb mir/cmo bjs

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